Havelterberg und Holtingerveld

Havelterberg und Holtingerveld

Vom Eis und vom Krieg gezeichnet

Die sanften Wellen im Gelände verraten, dass Mutter Natur hier während der Eiszeiten ihre Spuren hinterlassen und die Landschaft geformt hat.

Das Holtingerveld, zu dem auch der Havelterberg gehört, ist eines der größeren Naturschutzgebiete in Drenthe. Die sanften Wellen im Gelände verraten, dass Mutter Natur hier während der Eiszeiten ihre Spuren hinterlassen und die Landschaft geformt hat.

Der Havelterberg ist dabei keineswegs die einzige Erhebung: Auch das Holtingerveld selbst ist reich an Höhenunterschieden. Vergessen Sie also das Klischee einer endlosen, flachen Heidelandschaft. Stattdessen erwartet den Wanderer ein vielgestaltiges Terrain. Es handelt sich um ein altes Dünengebiet, das während der letzten Eiszeit durch den Wind geformt wurde, als Kälte und Trockenheit kaum Bewuchs zuließen und der sandige Untergrund zum Spielball der vorherrschenden Polarwinde wurde.

Prähistorischer Mega-Bulldozer

Der Havelterberg besteht aus einem Komplex von Stauchmoränen, die vor etwa 150.000 Jahren während der Saale-Eiszeit vom vorrückenden Inlandeis aufgeschoben wurden und sich bis heute in außergewöhnlich gutem Zustand erhalten haben. Ein Gletscher wirkte hier wie ein gewaltiger Bulldozer und schob enorme Mengen an Sand, Ton, Steinen und sogar große Findlinge vor sich her. In weiten Teilen des vom Eis zu einem Hügel aufgeworfenen Bodens finden sich zahlreiche große und kleine Steine, die zusammen mit feinerem Lehm eine Schicht aus Geschiebelehm bilden.

Am Fuß des Havelterbergs (18 m) liegen zwei große Hünengräber. Das Hünengrab D53 ist fast 18 Meter lang und das zweitgrößte in den Niederlanden. Es befindet sich nur einen Steinwurf entfernt vom Nivon-Naturfreundehaus Hunehuis.

DSC05044-Hunebed-D53-©-LH-Schepers

Vom Krieg gezeichnet

Das Gebiet rund um den Havelterberg hatte im Zweiten Weltkrieg schwer zu leiden. Ab Oktober 1942 wurde mit dem Bau eines deutschen Militärflugplatzes (Fliegerhorst) ein großer Teil der Heide abgetragen und eingeebnet. Auch das große Hünengrab (D53) am Havelterberg sollte weichen. Die Luftwaffe ordnete den Abbruch an, da alliierte Bomber das Hünengrab als Orientierungspunkt hätten nutzen können. Mit der Demontage wurde bereits begonnen, doch der renommierte Archäologe Albert Egges van Giffen konnte die vollständige Zerstörung verhindern. Er ließ die Steine mithilfe eines Baggers vorsichtig in eine tiefe Grube absenken.

Der Bau des Flugplatzes ging mit einem schnurgeraden Straßennetz einher, das bis heute auf der Karte deutlich erkennbar ist. Ein alliierter Bombenangriff im Jahr 1944 zerstörte den Flugplatz, noch bevor er in Betrieb genommen worden war. Zwangsarbeiter mussten ihn anschließend wieder instand setzen. Ein Jahr später wurde der „Fliegerhorst“ durch 120 große amerikanische Bomber endgültig ausgelöscht. Zurück blieb eine Mondlandschaft aus Hügeln und Bombenkratern. Doch „jedes Nachteil hat seinen Vorteil“: In den Bombentrichtern gedeihen heute besondere Pflanzenarten, und sie bieten einen idealen Lebensraum für Reptilien und Amphibien.

Unterirdisches Hünengrab
Unmittelbar nach dem Krieg begann Professor Van Giffen mit der Wiederherstellung des unterirdisch bewahrten Hünengrabes. Die großen Steine wurden erneut ausgegraben, und Ende 1949 begann die Restaurierung. Dass Van Giffen dieses Hünengrab bereits 1918 im Rahmen archäologischer Untersuchungen äußerst genau dokumentiert hatte, erwies sich nun als von unschätzbarem Wert. Einige der Nummern, die er damals auf den Steinen anbrachte, sind noch heute zu erkennen.

20231017_105740-Bomkrater-Holtingerveld-©-LH-Schepers

Militärisches Gelände

Nach dem Krieg rangen Natur und Militär um die Vorherrschaft. Das Gebiet diente als Truppenübungsplatz, und auch die Amerikaner richteten hier einen Stützpunkt zur Lagerung von Nuklearsprengköpfen ein. Anfang der 1990er-Jahre verließen die US-Streitkräfte das Gebiet.

1994 gab es noch Pläne, den militärischen Übungsplatz um 800 Hektar zu erweitern. Diese Vorhaben scheiterten jedoch am heftigen Widerstand einer breiten Öffentlichkeit, darunter auch vieler Mitglieder des Nivon. Das Verteidigungsministerium betreibt bis heute einen Schießplatz. Die Johannes-Post-Kaserne in Havelte nutzt das stark reliefierte Gelände weiterhin für militärische Übungen.

DSCN1282-Havelterberg-_oefenterrein-©-LH-Schepers

Geologisches Denkmal

In der Provinz Drenthe sind 14 Gebiete als geologisches Denkmal ausgewiesen.

Geologische Denkmäler sind Landschaften, die von der Entstehungsgeschichte eines Gebietes unter dem Einfluss von Eis, Wind und Wasser erzählen. Mit der Ausweisung und Vermittlung dieser geologischen Denkmäler möchte die Provinz Drenthe ein breites Publikum mit der reichen Geschichte des Drenther Untergrunds vertraut machen.

Die Landschaft zeigt unterschiedliche geologische und kulturhistorische Entwicklungsphasen von vor rund 150.000 Jahren bis in die Gegenwart. Der Havelterberg bildet einen Komplex aus Stauchmoränen, der sich in außergewöhnlich gut erhaltenem Zustand befindet. Diese Wälle wurden vor etwa 150.000 Jahren während der Saale-Eiszeit vom vorrückenden Inlandeis aufgeschoben.

Neben dieser geologischen Entstehungsgeschichte hat kaum ein anderes Gebiet in Drenthe so viele sichtbare Spuren des Zweiten Weltkriegs bewahrt wie die Umgebung des Havelterbergs. 1942 begann die deutsche Besatzungsmacht mit dem Bau des „Fliegerhorsts Havelte“. Der Flugplatz wurde zwar nie fertiggestellt, hat der Landschaft jedoch unbeabsichtigt einen zusätzlichen Wert verliehen. Auffällig sind die offenen Flugzeughangars und die Start- und Landebahnen, die sich zu artenreichen Grasländern mit Orchideen und anderen besonderen Pflanzen entwickelt haben. Die Bombenkrater dienen heute als Laichgewässer für Amphibien.

Um die Bedeutung dieses Gebietes zu unterstreichen, setzten sich die Provinz Drenthe gemeinsam mit der Gemeinde Westerveld, der Recreatieschap Drenthe, dem regionalen Zweckverband für Freizeit und Erholung in der Provinz Drenthe, dem Nivon-Naturfreundehaus Het Hunehuis, dem Archäologischen Zentrum West-Drenthe und Staatsbosbeheer,  der staatlichen Forst- und Naturschutzbehörde der Niederlande, nachdrücklich für die Anerkennung dieses geologischen Denkmals ein. Das Gebiet besitzt zudem den europäischen Schutzstatus Natura 2000.

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Erleben Sie das Holtingerveld

Die bewegte Geschichte des Havelterbergs hat eine beeindruckende Landschaft hervorgebracht. Sie erleben ein sanft gewelltes Gelände mit außergewöhnlich gut erhaltenen Stauchmoränen und entdecken zugleich die Schönheit des Holtingervelds. Heideflächen, Treibsandpfade, Moore, kleine Seen und Waldwege lassen Sie das urtümliche Landschaftsbild genießen, für das Drenthe bekannt ist.

Das Gebiet ist Lebensraum seltener Pflanzen wie des Glockenenzians und zahlreicher Orchideenarten. Auch besondere Tierarten kommen hier vor, darunter Amphibien wie der Kammmolch sowie Libellenarten wie die Nordische Moosjungfer.

20250803_132147-Holtingerveld-©-LH-Schepers