Fochteloërveen
Steppe aus lebendigem Hochmoor
Zwischen Appelscha und Veenhuizen wandern Sie durch eine Art „Steppe“ – eines der größten erhaltenen lebenden Hochmoorgebiete Westeuropas.
Große Teile von Drenthe und Friesland sahen einst so aus. Die Umgebung von Appelscha zeigt, welches Schicksal dem Fochteloërveen gedroht hätte: Der Drang nach Entwässerung und Kultivierung für Torfabbau und Landwirtschaft fegte bis ins 20. Jahrhundert wie ein Sturm über die Niederlande hinweg. Wäre diesem nicht Einhalt geboten worden, wäre das Fochteloërveen heute eine Torfkolonie mit Kanälen, Seitenarmen, Kreuzkanälen und Bauernhöfen.
Obwohl Natuurmonumenten, der niederländische Verein für Natur- und Landschaftsschutz, bereits 1938 rund 200 Hektar des Gebietes erwarb, lauerten noch bis 1961 Kultivierer, die keinerlei Blick für den Wert der Natur hatten. Erst 1961 kam die Wende: Das Fochteloërveen erhielt offiziell den Status eines Naturschutzgebietes.
Torfwachstum
Torfwachstum
Natuurmonumenten übernahm die Verantwortung für das Gebiet und stand vor der Aufgabe, das Hochmoor wieder „zum Leben zu erwecken“. Ein großer Teil des Hochmoorreservats war nicht mehr aktiv, sodass kein neues Hochmoor mehr anwuchs. Um diesen Prozess wieder in Gang zu setzen, musste der Wasserstand im Moor deutlich angehoben werden, denn dieser Landschaftstyp ist in besonderem Maße – und nahezu ausschließlich – auf nährstoffarmes Regenwasser angewiesen.
Die Torfmoose saugen das Regenwasser wie ein Schwamm auf und wachsen dabei über den Wasserspiegel hinaus. Im unteren Bereich sterben die Moose zwar ab, zersetzen sich jedoch nicht. An der Oberfläche wächst das Torfmoospolster stetig weiter. Auf diese Weise entsteht im Laufe von Jahrhunderten eine mächtige Torfschicht. Der Boden ist extrem sauer und nährstoffarm, sodass nur hochspezialisierte Pflanzen- und Tierarten im Fochteloërveen überleben können.
Torfwachstum im Niedermoor
Niedermoor bildet sich unterhalb des Wasserspiegels aus aufeinander geschichteten, unzersetzten Pflanzenresten, die ins Wasser gefallen sind. Aus der Nähe lassen sich Samen, Stängelreste, Blätter und mitunter sogar Insekten gut erkennen. Auch Überreste größerer Pflanzen kommen vor, etwa Rindenstücke, Wurzeln oder ganze Baumstämme.
In Niedermoorgebieten wachsen vor allem Erlen, Weiden und Schilf – und genau von diesen Pflanzen finden sich zahlreiche Reste im Torfkörper.
Spürbare Veränderungen
Die ergriffenen Maßnahmen zeigen Wirkung. In großen Teilen des Moores liegt der Wasserstand heute deutlich höher als früher. Doch bei einem Zuwachs von lediglich etwa einem Millimeter pro Jahr ist Geduld gefragt: Es dauert Jahrhunderte, um aus abgetorftem Hochmoor wieder mehrere Meter lebendiges Moor entstehen zu lassen. Dass sich dennoch etwas verändert, zeigen vor allem Pflanzen und Tiere.
Wer im Sommer auf dem Aussichtsturm „De Zeven“ steht, blickt auf ein scheinbares „Baumwollfeld“ aus Wollgras, durchsetzt mit den Stämmen ertrunkener Birken. Für Kreuzotter, Glattnatter und Ringelnatter ist das Fochteloërveen ein wahres Eldorado.
Nach einer Abwesenheit von Jahrhunderten brütet auch der Kranich wieder im Fochteloërveen. Die großen Vögel mit ihren weithin hörbaren Rufen finden hier ausreichend Platz und genügend Nahrung. Kraniche sind auf nasse Naturräume angewiesen. Gleichzeitig stellt die Austrocknung – verstärkt durch den Klimawandel – in diesem Gebiet eine ständige Bedrohung dar. Deshalb unternimmt Natuurmonumenten große Anstrengungen, um optimale Bedingungen zu schaffen: So werden Arbeiten zeitweise sogar vollständig eingestellt, um die Kraniche nicht zu stören.
Auch Greifvögel wie Schlangenadler, Seeadler, Fischadler und verschiedene Weihen lassen sich hier in den letzten Jahren immer häufiger beobachten.
Grandiose Ausblicke
Das Fochteloërveen ist ein außergewöhnlich gut erhaltenes Naturgebiet: Torfmoor, Torfmoor und nochmals Torfmoor, so weit das Auge reicht. Das von Torfmoosen geprägte Hochmoor gedeiht besonders gut unter dauerhaft nassen Bedingungen und bietet seltenen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum.
Hier wachsen unter anderem das Einährige Wollgras und das Scheiden-Wollgras. Zudem ist das Gebiet Heimat eines stark gefährdeten Schmetterlings: des Moor-Wiesenvögelchens, einer echten Spezialart der lebenden Hochmoore.