Das Dwingelderveld

Das Dwingelderveld

Heideland und Torfmoore

Der Schriftsteller, Lehrer und Naturschützer Jac.P. Thijsse beschrieb seinen Besuch in der Dwingelooschen Heide als „eine der glücklichsten Wochen meines Lebens“.

Als Naturliebhaber und Feldbiologe erforschte Thijsse im Jahr 1929 den Naturwert des Dwingeldervelds. Noch heute lässt sich hier eine außergewöhnlich vielfältige Naturlandschaft erleben: ausgedehnte Heidelandschaften wechseln sich ab mit Kiefern- und Laubwäldern, Flugsandgebieten, Torfmooren und Moorseen. Der heutige Verkehrslärm der Autobahn A28 beeinträchtigte Thijsses Aufenthalt damals noch nicht.

Thijsse spielte eine bedeutende Rolle in der niederländischen Naturforschung und Umweltbildung. Er war einer der Gründer von Natuurmonumenten, dem niederländischen Verein für Natur- und Landschaftsschutz. Als im Zuge großflächiger Heideaufforstungen immer mehr offene Landschaft verloren ging, begann Natuurmonumenten auf Thijsses Rat hin bereits ab 1930, große Teile der Dwingelooschen Heide anzukaufen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gelang es Natuurmonumenten gemeinsam mit Staatsbosbeheer, der staatlichen Forst- und Naturschutzbehörde der Niederlande, Tausende Hektar Land für den Naturschutz zu sichern.

Terhorsterzand

Sobald man Beilen hinter sich lässt, erreicht man das Terhorsterzand. Dieses Flugsandgebiet umfasst rund 181 Hektar und wurde um 1900 durch die Anpflanzung von Kiefern teilweise befestigt. Der größte Teil des leicht hügeligen Geländes (etwa 100 Hektar) besteht aus Heideflächen, die in tiefer gelegenen Bereichen von Mooren durchzogen sind. Auf den höheren Sandrücken wachsen vereinzelt Wacholdersträucher.

Dieses abwechslungsreiche Gebiet ist Lebensraum zahlreicher Pflanzen- und Tierarten, darunter das Gemeine Knabenkraut, der Beinbrech und der Sumpf-Bärlapp. Auch Tiere wie die Kreuzotter, der Moorfrosch, der Pirol sowie der Zwergtaucher kommen hier vor. Schafe und Jungrinder beweiden die Heideflächen und tragen so zur Offenhaltung der Landschaft bei.

Der Bau der Autobahn A28 trennte das Terhorsterzand vom Dwingelderveld. Da die Straße für viele Tierarten ein schwer überwindbares Hindernis darstellt, wurde ein Wildtierübergang angelegt, um die ökologische Verbindung zwischen den Gebieten wiederherzustellen.

20230902_121312-Terhorsterzand-©-LH-Schepers

Nationalpark

Das Dwingelderveld wurde 1991 zum Nationalpark erklärt, da es das größte zusammenhängende Feuchtheidegebiet der Niederlande ist. Der Untergrund entstand unter dem Einfluss klimatischer Prozesse, insbesondere während der letzten beiden Eiszeiten. Er besteht aus Steinen, Geröll, Kies und einer wasserstauenden Schicht aus Geschiebelehm, die für den Charakter des Gebietes von entscheidender Bedeutung ist.

Diese Lehmschicht verhindert, dass Regenwasser schnell versickert. Dadurch verfügt das Dwingelderveld über ein eigenes, weitgehend natürliches Wassersystem. Dies erklärt das Vorkommen vieler seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten. Gleichzeitig blieb der menschliche Einfluss auf das Gebiet über lange Zeit vergleichsweise gering.

Vor etwa 3.000 Jahren begannen Menschen, sich an den Rändern der offenen Landschaft als Bauern niederzulassen. Dörfer wie Dwingeloo, Lhee und Ruinen sind vermutlich seit dieser Zeit dauerhaft bewohnt. Zuvor galt das Gebiet als weitgehend unzugängliche Wildnis, die nur gelegentlich betreten wurde.

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Juwelen der Heide und des Waldes

Nirgendwo in Westeuropa sind Feuchtheiden mit Glockenheide so gut entwickelt wie im Dwingelderveld. Der Geschiebelehm im Untergrund sorgt dafür, dass sich in mehr als sechzig Moorseen und kleinen Torfmooren Wasser halten kann. Diese Senken werden überwiegend durch Regenwasser gespeist und sind daher besonders nährstoffarm.

So konnten sich Hochmoore mit einer einzigartigen Vegetation entwickeln, darunter Torfmoose, Beinbrech, Sumpfenzian, Moosbeere und Rosmarinheide. Der Wechsel von feuchten Erosionsrinnen, trockenen Sandrücken, Mooren, Moorseen, Wäldern und Flugsandflächen schafft eine außergewöhnlich hohe biologische Vielfalt.

Ende Mai färben die watteartigen Fruchtstände des Wollgrases viele Moore weiß, gefolgt vom Gelb und Violett von Beinbrech, Heidekraut und Heide-Ragwurz. Zahlreiche farbenprächtige Libellenarten schwirren über den Mooren auf der Suche nach Beute oder einem Partner. Das Dwingelderveld ist zudem ein Paradies für Schmetterlinge, darunter der seltene Hochmoor-Perlmuttfalter, der Moorbläuling, das Große Wiesenvögelchen und der Lungenenzian-Ameisenbläuling.

Das Klima spielt dabei eine entscheidende Rolle: Drenthe zählt traditionell zu den niederschlagsreichsten Regionen der Niederlande. Dies begünstigt eine artenreiche Natur, doch zunehmende Trockenperioden auf dem Drentschen Plateau und der beschleunigte Klimawandel stellen das Gebiet vor neue Herausforderungen.

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Drenther Heideschafe

Die Heidelandschaften sind ein prägendes Element der Drenther Kulturlandschaft und wurden jahrhundertelang von weidenden Schafen und Rindern gestaltet. Auch heute werden diese Tiere gezielt zur Pflege der Heide eingesetzt. Sie fressen Gras und junge Triebe der Heidepflanzen und verhindern so, dass die Flächen verbuschen oder verbäumen.

Zwei Herden Drenther Heideschafe, betreut von einem Schäfer, ziehen täglich über die Heideflächen, während anderes Vieh in eingezäunten Bereichen grast. Nachts kehren die Schafe in den Stall zurück. Früher war ihr Mist unverzichtbar für die Düngung der gemeinschaftlich genutzten Ackerflächen. Mit der Urbarmachung der Heide und der Einführung von Kunstdünger verloren die Herden ihre landwirtschaftliche Bedeutung – für den Erhalt des Dwingeldervelds sind sie jedoch bis heute unersetzlich.

Im Jahr 2017 wurde neben dem Schafstall bei Ruinen ein Aussichtsturm errichtet, von dem aus die Herde oft schon aus großer Entfernung zu sehen ist.

oerdrenthe-2514 © Marketing Drenthe

Wald in Entwicklung

Obwohl das Dwingelderveld vor allem für seine offenen Heideflächen bekannt ist, besteht ein erheblicher Teil des Nationalparks aus Wald. Dieser Wald ist vergleichsweise jung: Anfang des 20. Jahrhunderts war durch intensive Nutzung, Beweidung und Brände nahezu kein Wald mehr vorhanden. Der ungeschützte Sand wurde vom Wind verweht.

Um die Versandung einzudämmen, wurden großflächig Bäume gepflanzt. Gerade die geradlinigen Waldwege und regelmäßig gepflanzten Baumreihen zeugen noch heute von dieser Phase der Kultivierung. In den letzten Jahren haben Naturschutzorganisationen gezielt Nadelbäume entfernt, um Raum für heimische Laubbäume zu schaffen und die Wälder widerstandsfähiger gegen Trockenheit zu machen.

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Einsatz für die Wacholderbeere

Die unbewaldeten Flächen der ehemaligen Treibsandgebiete des Lheebroekerzands und der Anserdennen sind von Heidekraut und dichten Wacholdersträuchern bedeckt, die hier in allen Formen und Größen wachsen: von flach und rundlich bis säulenförmig. Wie die Heide ist auch der Wacholder ein Pionierstrauch, der vor allem auf kargen Böden gedeiht. Insbesondere Rodungen haben dem Wacholder erheblichen Schaden zugefügt, aber auch das Fällen der Sträucher: das Holz verleiht Fleisch beim Räuchern ein charakteristisches Aroma. Heute steht der Strauch unter Naturschutz. Die Drenther Wacholdergilde setzt sich für den Erhalt dieses charakteristischen Elements der kargen Sandböden ein (www.jeneverbesgilde.nl). Und das ist auch nötig, denn der Wacholder wächst nicht einfach so zu einem majestätischen und charakteristischen Strauch heran.

DSC03582-Jeneverbes-©-LH-Schepers

Genießen Sie das Dwingelderveld

Waldwege, schmale Pfade durch Heidelandschaften und vorbei an Mooren, sowie ein Holzsteg über feuchte Heide machen die Wanderung zu einem unvergesslichen Erlebnis. Bestaunen Sie die seltenen Pflanzen und Tiere der Gegend, darunter Greifvögel, Spechte und Kreuzottern, sowie verschiedene Orchideenarten wie die Kiefern-Ragwurz oder die Wespen-Ragwurz.

DSC01895-Dwingelderveld-©-LH-Schepers