Norger Esdorpenlandschaft
Norg gilt als das Zentrum der am besten erhaltenen Esdorpenlandschaft der Niederlande – einer traditionellen nordniederländischen Dorf- und Kulturlandschaft mit auf Anhöhen gelegenen Brinkdörfern, gemeinschaftlich genutzten Ackerflächen
Norg gilt als das Zentrum der am besten erhaltenen Esdorpenlandschaft der Niederlande – einer traditionellen nordniederländischen Dorf- und Kulturlandschaft mit auf Anhöhen gelegenen Brinkdörfern, gemeinschaftlich genutzten Ackerflächen (Essen), alten Wallhecken sowie feuchten Bachtälern. Es ist ein besonders reizvolles Gebiet mit alten Wäldern, offenen Landschaften und den charakteristisch „gewölbten“ Essen.
Leider wurden viele Esdorpenlandschaften im Laufe des vergangenen Jahrhunderts stark verändert, auch in Drenthe. Rund um Norg jedoch ist diese historische Landschaftsform noch vergleichsweise gut erhalten geblieben. Auf sandigen Höhenrücken liegen die Brinkdörfer Westervelde, Zuidvelde, Langelo und Peest. Die natürlichen Höhenunterschiede bestimmten die Lage der Dörfer, da sich die Bauern bevorzugt auf höher gelegenen, trockenen Böden ansiedelten. Die durch jahrhundertelange Düngung fruchtbar gewordenen Ackerflächen, die Essen, befanden sich am Rand der Dörfer.
Auf der anderen Seite lagen die Grünländer: die tiefer gelegenen Bachtäler, etwa des Slokkert, des Grote Diep und des Oostervoortse Diep. Diese feuchten Niederungen dienten traditionell als Heu- und Weideland.
Heide und Flugsand
Die ehemaligen Flugsanddünen rund um Norg, wie die Langeloërduinen und die Molenduinen, sind vom Menschen geschaffen. Durch Torfabbau und intensive Beweidung der Heide wurde der Decksand freigelegt, sodass sich Sanddünen bilden konnten. Im 19. Jahrhundert wurden die meisten dieser Flugsandgebiete aufgeforstet, um die Belastung durch verwehenden Sand einzudämmen.
Die heutigen Wälder rund um Norg – die Oosterduinen, Langeloërduinen und Molenduinen – liegen daher an Orten, an denen sich früher ausgedehnte Heideflächen befanden.
Boermarke
Die Boermarke war die Organisationsform der bäuerlichen Dorfgemeinschaften innerhalb der Esdorpenlandschaft. Dabei handelte es sich um eine gemeinschaftliche Selbstverwaltung, die zahlreiche Aspekte des Dorflebens regelte – insbesondere die Nutzung und Verwaltung des gemeinschaftlichen Landes. Das sogenannte Markensystem wurde im 19. Jahrhundert offiziell aufgehoben, dennoch bestehen in Drenthe bis heute rund neunzig Boermarken fort.
Eine typische Aufgabe der Boermarke ist noch immer die Verpachtung der Jagdrechte. Rund um Norg verfügen die beiden Boermarken Oost- und Westeinde zudem über erhebliche Befugnisse bei der Verwaltung von Wegen und öffentlichem Raum. Auch die Genehmigung zur Markierung des Drenthepad wurde von ihnen erteilt.
Markesteine
Zur Abgrenzung des gemeinschaftlichen Besitzes der Boermarken dienten große Findlinge, die als Markesteine bezeichnet wurden. Mitunter eigneten sich auch landschaftliche Elemente wie Wallhecken, Bäche oder markante Einzelbäume als Grenzmarkierungen. Mit der Einführung des Katasters im Jahr 1832 verlor dieses System seine rechtliche Funktion. Seitdem sind viele Markesteine verschwunden – sie lagen im Weg oder wurden von der Vegetation überwuchert. In der Umgebung von Norg sind jedoch noch einige dieser historischen Grenzsteine erhalten geblieben.
Bachtal Peizerdiep
Das Bachtal des Oostervoortse Diep und des Lieversche Diep zwischen Roden und Norg wurde in den vergangenen Jahren in weiten Teilen wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Die Bäche des Peizerdiep-Systems besitzen heute wieder eine direkte Verbindung zur Waddenzee, sodass Fischwanderungen zu natürlichen Laichplätzen möglich sind – unter anderem für Meerforelle, Hasel, Zander und Flussneunauge. In absehbarer Zeit soll auch der Unterlauf des Peizerdiep naturnah umgestaltet werden; der Bach wird dann wieder frei mäandrieren.
Zwischen der Fischtreppe an der Sterrebosstuw bei Lieveren und den Onlanden fließt das Peizerdiep durch ein breites Niederungsgebiet. Dieser Abschnitt wird so umgestaltet, dass Niederschläge weiter oberstromig zurückgehalten werden. Damit wird das System widerstandsfähiger gegenüber Klimaextremen und zukunftssicher gemacht. Der Bach mündet schließlich in die Onlanden, ein ausgedehntes Wasserrückhaltegebiet, das als Puffer dient und dafür sorgt, dass die Stadt Groningen auch bei hohen Wasserständen trockene Füße behält.
Die Bachsysteme der Drentsche Aa und des Peizerdiep entspringen auf dem Drentschen Plateau und fließen nach Norden ab. Für die regionalen Wasserbehörden stellt die Steuerung dieser Wassermengen eine große Herausforderung dar – zugleich bietet sie die Chance, Hochwasserschutz, Naturschutz und Landschaftserlebnis miteinander zu verbinden.
Ot und Sien
Roden hat sich von einer bäuerlichen Siedlung mit rund 2.700 Einwohnern zu einem Pendlerort mit etwa 15.000 Einwohnern entwickelt. Im historischen Ortskern hat im Wesentlichen nur die Kirche der Neubebauung standgehalten. Direkt bei der Kirche steht die Statue von Ot und Sien – ein Sinnbild für das vorindustrielle, ländliche Drenthe.
Die Geschichten um Ot und Sien stammen vom in Roden geborenen Kinderbuchautor Hendericus Scheepstra (1859–1913). Untrennbar mit diesen Erzählungen verbunden ist der Illustrator Cornelis Jetses (1873–1954). Für seine Zeichnungen bereiste Jetses Drenthe auf der Suche nach passenden Motiven und Szenerien – und fand sie in reichem Maße in Roden und seiner Umgebung.
Havezate Mensinge
Ganz in der Nähe von Roden liegt die Havezate Mensinge, ein historischer Adelssitz des Drenther Landadels mit dazugehörigem Gut und besonderen Vorrechten. Auf nur zwei Quadratkilometern sind hier nahezu alle Elemente der klassischen Drenther Kulturlandschaft vereint: Wälder unterschiedlicher Art und Altersstufen, Heideflächen, Moore, ein idyllisches Bachtal mit einem mäandernden Bach, Wallhecken und eine Es (gemeinschaftlich genutzte Ackerfläche).
Die Landgüter Mensinge und Nienoord liegen wie zwei grüne Enklaven in bzw. bei Roden und Leek. Die Bewohner einer Havezate waren früher von bestimmten Abgaben befreit und besaßen unter anderem das alleinige Recht auf Jagd und Fischfang. Das umliegende Gut wurde im 18. Jahrhundert von einem der damaligen Besitzer angelegt und prägt bis heute das abwechslungsreiche Landschaftsbild.